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Long Live the BFFs: Wie Freund:innenschaften zu unserem Wohlbefinden beitragen

9. Sept.
4 Min. Lesezeit

Autorin: Miriam Anna Moderegger, MSc


Freund:innenschaften tun gut – das klingt zunächst selbstverständlich. Doch wie genau hängen Freund:innenschaften und Wohlbefinden zusammen? Und welche Aspekte einer Freund:innenschaft sind dabei besonders wichtig? Eine Forschungsgruppe der Panteion-Universität in Athen hat diese Fragen in einer systematischen Metastudie untersucht.


Die Forschung: 38 Studien, ein klares Ergebnis

Eine einzelne Studie untersucht meistens eine bestimmte Gruppe von Menschen und stellt eine konkrete Frage. Eine systematische Review wertet dagegen bereits vorhandene Studien zu einem Thema nach einem vorher festgelegten Verfahren aus und versucht, breitere Antworten auf eine Fragestellung zu finden. Ein Forschungsteam der Panteion Universität in Athen hat 38 Studien aus den Jahren 2000 bis 2019 analysiert. Ihr Ziel: herauszufinden, wie Freund:innenschaften im Erwachsenenalter unser Wohlbefinden beeinflusst. Dabei haben sie sich nicht nur die Anzahl der Freund:innen angeschaut, sondern vor allem die Qualität der Freund:innenschaften.


Die Ergebnisse: Qualität vor Quantität?

Über die untersuchten Arbeiten hinweg hing die Qualität von Freund:innenschaften wiederholt mit höherem Wohlbefinden, mehr Zufriedenheit und mehr Glück zusammen. Zur Qualität gehören beispielsweise Vertrauen, Nähe, Unterstützung und das Gefühl, sich aufeinander verlassen zu können.


In Längsschnittstudien (das sind Studien, die Menschen über einen längeren Zeitraum begleiten) zeigte sich: Die Qualität deiner Freund:innenschaften heute kann dein Wohlbefinden in der Zukunft vorhersagen. In einer Studie hing die Qualität von Freund:innenschaften mit 30 sogar mit dem psychischen Wohlbefinden mit 50 zusammen. Gute Freund:innenschaften wirken also wie ein Wohlbefindens-Booster – und das über Jahrzehnte hinweg.


Aber Moment mal - zählt die Anzahl der Freund:innen gar nicht? Mehr soziale Kontakte waren in einigen Studien ebenfalls mit mehr Wohlbefinden verbunden. Die Autor:innen betonen deshalb, dass sowohl die Qualität als auch die quantitative Seite von Freund:innenschaften berücksichtigt werden sollten.


Der Geheimcode guter Freund:innenschaften: 6 Faktoren, die den Unterschied machen

Die Autor:innen beschreiben sechs Faktoren, die erklären könnten, warum Freundschaften mit höherem Wohlbefinden zusammenhängen. Und das Beste: Jeder dieser Faktoren gibt dir konkrete Ansatzpunkte, um deine Freund:innenschaften zu verbessern. Diese findest du am Ende des Artikels.


  • Grundlegende psychologische Bedürfnisse: Freund:innenschaften können drei grundlegende Bedürfnisse stillen: das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Selbstbestimmung und Kompetenz.

  • Pflege: Freund:innenschaften wachsen nicht von allein. Sie brauchen Zeit, Aufmerksamkeit und gemeinsame Erlebnisse. Ob das wöchentliche Treffen im Café, die Sprachnachricht zwischendurch oder der gemeinsame Urlaub – wer Zeit und Energie investiert, hat bessere Freund:innenschaften.

  • Qualität: Eine tiefe Verbindung gibt uns Sicherheit und Zugehörigkeit. Und die entsteht durch Vertrauen, emotionale Nähe und gegenseitige Unterstützung. Besonders überraschend: In einer der Studien zeigte sich, dass nicht nur das Empfangen, sondern auch das Geben von Unterstützung das Wohlbefinden steigert.

  • Einzigartigkeit: Gute Freund:innen sehen und schätzen dich so, wie du bist – mit all deinen Eigenheiten, Macken und Stärken. Das stärkt dein Selbstwertgefühl.

  • Bedeutsamkeit: Zu spüren, dass man einer anderen Person wichtig ist, kann Einsamkeit entgegenwirken und Sinn stiften.

  • Subjektive Vitalität: Positive Erfahrungen mit Freund:innen können dazu führen, dass du Energie tankst, dich Lebendig fühlst und auch in herausfordernden Zeiten Antrieb und Tatendrang findest.


Kritische Einordnung: Was sagt die Studie – und was nicht?

Schauen wir uns die Limitationen, also die Einschränkungen, der Forschung mal genauer an:


  • Junge Erwachsene im Fokus: Viele der Studien wurden mit jungen Erwachsenen durchgeführt. Gerade zwischenmenschliche Beziehungen, zu denen auch Freund:innenschaften zählen, haben oft Generationenunterschiede und unterschiedliche Funktionen in verschiedenen Lebensphasen und Kulturen. Hier braucht es jedenfalls noch mehr Forschung mit vielfältigeren Teilnehmenden.

  • Keine Kausalität: Wie so oft bei diesem Format muss ich auch hier wieder anmerken, dass durch Befragungen nicht belegt werden kann, dass Freund:innenschaft mehr Wohlbefinden BEWIRKT. Vielmehr haben Menschen mit besseren Freund:innenschaften auch vermehrt ein besseres Wohlbefinden. Deshalb lautet die wissenschaftlich genaue Aussage nicht: „Freund:innenschaften macht automatisch glücklich.“ Treffender ist: Hochwertige Freund:innenschaften und soziale Verbundenheit stehen in vielen Untersuchungen mit höherem Wohlbefinden in Zusammenhang.


Fazit: Best Friends Forever

Freund:innenschaften sind mehr als nur soziale Kontakte – sie sind ein wichtiger Baustein für unser Wohlbefinden. Die Studie zeigt: Es lohnt sich, in Freund:innenschaften zu investieren. Denn sie können Wohlbefinden besonders dann unterstützen, wenn Menschen Zeit füreinander aufbringen, einander ernst nehmen, ihre Eigenständigkeit respektieren und die Beziehung gemeinsam gestalten.


Aus der Forschung lassen sich außerdem einige Tipps für deinen Alltag ableiten:


  • Pflege deine Freund:innenschaften aktiv: Melde dich, verabrede dich und zeige, dass dir die Freund:innenschaft wichtig ist. Regelmäßiger Kontakt muss nicht immer lang oder aufwendig sein.

  • Setze auf Qualität statt auf eine bestimmte Zahl: Entscheidend ist nicht nur, wie viele Menschen du kennst, sondern ob du dich mit ihnen sicher, akzeptiert und unterstützt fühlst.

  • Sei aufmerksam: Wenn Freund:innen von etwas Schönem erzählen, frag nach, freue dich mit ihnen und nimm ihre Erlebnisse ernst.

  • Unterstütze die Eigenständigkeit anderer: Gib Rat, wenn er gefragt ist, aber lass Freund:innen ihre eigenen Entscheidungen treffen. Ermutigung kann hilfreicher sein als Druck.

  • Zeige, dass die andere Person dir wichtig ist: Sag konkret, was du an ihr schätzt, oder mach deutlich, welchen Unterschied sie in deinem Leben macht.

  • Bitte auch selbst um Unterstützung: Freund:innenschaft lebt nicht nur davon, für andere da zu sein. Offenheit und gegenseitige Hilfe können Nähe und Vertrauen stärken.

  • Schaffe gemeinsame Erlebnisse: Gemeinsame Aktivitäten fördern anregende Gesellschaft und können das Gefühl von Energie und Verbundenheit stärken.


Originalpublikation

Dieser Artikel basiert auf einer wissenschaftlichen Fachpublikation, deren Inhalte für Paper to People verständlich und allgemein zugänglich aufbereitet wurden. Wenn Sie tiefer in die Forschung eintauchen möchten, finden Sie hier die Originalquelle.


Zitation

Pezirkianidis, C., Galanaki, E., Raftopoulou, G., Moraitou, D. & Stalikas, A. (2023). Adult friendship and wellbeing: A systematic review with practical implications. Frontiers in Psychology, 14, 1059057. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1059057



Autorin - Miriam Anna Moderegger, MSc

Ursprünglich aus dem Journalismus kommend, erzählt Miriam seit ihrer Kindheit leidenschaftlich Geschichten – sei es in ihrem Hauptberuf als Leitung der Public Affairs beim Verband österreichischer Volkshochschulen, oder in der Wissenschaftsredaktion von ForJu.

Während ihrem Studium der Communication Science widmete sich Miriam in ihrer Masterarbeit der Frage, wie Wissenschaft in der Öffentlichkeit repräsentiert wird. Diese Erkenntnisse motivieren sie, durch ihre Tätigkeit bei ForJuWissenschaft zugänglicher zu gestalten und junge Menschen für die Vielfalt wissenschaftlicher Perspektiven zu begeistern.



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