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Macht Geld glücklich? Die Wissenschaft sagt: Naja

9. Sept.
4 Min. Lesezeit

Autorin: Miriam Anna Moderegger, MSc


Stell dir vor, du bekommst plötzlich 10.000 Dollar (das sind ca. 8560 Euro) geschenkt und musst das Geld innerhalb von drei Monaten ausgeben. Wofür würdest du es verwenden, um möglichst glücklich zu werden? Eine aktuelle Studie mit 200 Teilnehmer:innen aus sieben Ländern hat genau das untersucht: Sie wollten wissen, wie verschiedene Ausgaben unser Wohlbefinden beeinflussen – und welche Entscheidungen langfristig am meisten Glück bringen.


Die Forschung: Kaufrausch für die Wissenschaft

200 Personen aus Indonesien, Kenia, Brasilien, den USA, Großbritannien, Kanada und Australien erhielten jeweils 10.000 US-Dollar – mit der Aufgabe, das Geld innerhalb von drei Monaten auszugeben und jede Ausgabe zu dokumentieren. Warum diese sieben Länder? Weil sie keine Schenkungssteuer auf die 10.000 US-Dollar erheben. Um teilnehmen zu dürfen, mussten die Bewerber:innen einen aktiven Twitter-Account haben und grundlegende Englischkenntnisse besitzen, außerdem mussten sie bestätigen, dass sie der Erhalt des Geldes nicht in Probleme bringen würde (z.B. wegen offener Verfahren oder Suchterkrankungen).


Die Teilnehmer:innen wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine Hälfte musste ihre Ausgaben öffentlich teilen – mit Familie, Freund:innen und auf Twitter. Die andere Hälfte hielt ihre Teilnahme und Ausgaben so privat wie möglich. Alle mussten innerhalb von drei Monaten das gesamte Geld ausgeben und dabei jede einzelne Ausgabe detailliert dokumentieren: Was wurde gekauft? Wo, wann und warum? Zudem bewerteten sie auf einer Skala von 1 bis 5, wie glücklich sie jede Ausgabe machte. Außerdem gab es regelmäßige Fragebögen zum Wohlbefinden - auch nach dem Ende der "Kaufrauschphase".


Ein zentrales Problem für die Forscher:innen: 10.000 Dollar sind nicht überall gleich viel wert. In Kenia, wo das durchschnittliche Monatsgehalt bei etwa 300–500 US-Dollar liegt, entsprachen die 10.000 Dollar 20 bis 33 Monatsgehältern – ein Betrag, der für viele ein kleines Vermögen darstellte. In den USA dagegen, mit einem durchschnittlichen Monatsgehalt von 4.000–5.000 US-Dollar, waren es „nur“ zwei bis zweieinhalb Monatsgehälter. Wenn man die Zufriedenheit von Person A mit Person B (in einem INTERpersonellen Verfahren) vergleicht, könnte der Unterschied auch an anderen Faktoren liegen – etwa am Einkommen, der Persönlichkeit oder der Kultur. Unter anderem deshalb wurde ein INTRApersoneller Vergleich durchgeführt, also der Vergleich innerhalb einer einzelnen Person. Da jede:r der Teilnehmer:innen durchschnittlich 16 verschiedene Ausgaben tätigte, konnten die Forscher:innen die Ausgaben einer Person miteinander vergleichen und analysieren, welche Ausgaben für dieselbe Person am meisten Glück brachten.


Die Ergebnisse: Was macht wirklich happy?

Am glücklichsten machten die Teilnehmenden Ausgaben für Spenden, Geschenke und Erlebnisse – zum Beispiel eine Reise, ein Konzert, ein besonderes Essen oder gemeinsame Zeit. Ebenfalls überraschend weit oben lagen Bildung und persönliche Ziele, etwa ein Kurs, eine Fahrstunde, eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder ein Friseurbesuch. Materielle Dinge waren nicht automatisch schlecht, aber sie sorgten im Vergleich nicht für dieselben hohen Glückswerte wie viele soziale oder persönlich bedeutungsvolle Ausgaben.


Außerdem gab es einen Einfluss auf das Glücksempfinden, ob und wie Teilnehmer:innen ihre Ausgaben öffentlich machten: Die Gruppe, die die Ausgaben öffentlich teilen musste, traf zwar keine signifikant unterschiedlichen Kaufentscheidungen, aber siei empfanden weniger Freude an ihren sozialen Ausgaben (z.B. Spenden) als diejenigen, die ihre Ausgaben privat hielten.


Es gab auch langfristige Wirkungen der Zufriedenheit: Wer sein Geld insgesamt für besonders beglückende Dinge ausgab, berichtete nach drei und sechs Monaten von größeren Verbesserungen des allgemeinen Wohlbefindens. Die Gruppe mit den glücklichsten Käufen steigerte ihr Wohlbefinden in den ersten drei Monaten um 0,78 Punkte, die Gruppe mit den am wenigsten glücklichen Käufen nur um 0,31 Punkte.


Aber: Es gibt keine universelle Glücks-Einkaufsliste. Die Lebensrealitäten der einzelnen Teilnehmenden führte vielmehr zu individuellen Wunschzetteln: Für manche ist das Abbezahlen von Schulden eine große Erleichterung, andere verbessern ihren Alltag mit vielen kleinen Einkäufen. Geld kann insgesamt das Wohlbefinden steigern – besonders dann, wenn die finanziellen Entscheidungen zu den eigenen Bedürfnissen, Werten und Lebensumständen passen.


Kritische Einordnung: Was sagt die Studie – und was nicht?

Schauen wir uns die Limitationen, also die Einschränkungen, der Forschung mal genauer an:


  • Keine repräsentative Stichprobe: Die Teilnehmer:innen waren jung, gebildet und englischsprachig. Ob die Ergebnisse auf die breite Bevölkerung übertragbar sind, bleibt offen. Auch die Auswahl der Länder und der Umgang mit Geld in diesen Ländern beeinflusst natürlich die Forschungsergebnisse.

  • Keine eindeutigen Ursache-Wirkungs-Beweise: Weil die Teilnehmer:innen selbst entscheiden konnten, wofür sie das Geld ausgaben, lässt sich aus der Studie nicht eindeutig ableiten, dass eine bestimmte Art des Ausgebens glücklicher macht. Die Studie belegt daher nicht, dass gewisse Ausgaben glücklicher machen, sondern nur, dass Menschen, die gewisse Entscheidungen getroffen haben, auch glücklicher waren.


Fazit: Kauf dich glücklich?

Die Studie legt nahe: Geld kann tatsächlich Glück kaufen – aber nur, wenn wir es bewusst und für uns sinnvoll einsetzen. In dieser Studie waren Ausgaben für Erlebnisse, Bildung, Geschenke und Spenden besonders häufig mit positiven Glückserfahrungen verbunden. Gleichzeitig unterstreicht die Forschung, wie wichtig es ist, kulturelle und individuelle Unterschiede zu berücksichtigen. Denn während für die einen ein Geschenk an die Familie das größte Glück bringt, ist es für andere vielleicht die Tilgung einer Schuld oder ein Kurs, der neue Perspektiven eröffnet. Am Ende geht es nicht darum, wie viel wir ausgeben, sondern wofür. Und manchmal ist weniger mehr – solange es den richtigen Zwecken dient.


Originalpublikation

Dieser Artikel basiert auf einer wissenschaftlichen Fachpublikation, deren Inhalte für Paper to People verständlich und allgemein zugänglich aufbereitet wurden. Wenn Sie tiefer in die Forschung eintauchen möchten, finden Sie hier die Originalquelle.


Zitation

Stenlund, S., Guo, Y., Rights, J., Dwyer, R. & Dunn, E. (2024). How spending decisions shape happiness in everyday life.Communications Psychology,2(1), 124. https://doi.org/10.1038/s44271-024-00166-6



Den Großteil der Quellen findest du im Literaturverzeichnis der Originalquelle. Außerdem haben wir noch folgende Quellen verwendet:


Internationaler Preisvergleich. (2026). Statistisches Bundesamt.https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Internationaler-Preisvergleich/_inhalt.html


Autorin - Miriam Anna Moderegger, MSc

Ursprünglich aus dem Journalismus kommend, erzählt Miriam seit ihrer Kindheit leidenschaftlich Geschichten – sei es in ihrem Hauptberuf als Leitung der Public Affairs beim Verband österreichischer Volkshochschulen, oder in der Wissenschaftsredaktion von ForJu.

Während ihrem Studium der Communication Science widmete sich Miriam in ihrer Masterarbeit der Frage, wie Wissenschaft in der Öffentlichkeit repräsentiert wird. Diese Erkenntnisse motivieren sie, durch ihre Tätigkeit bei ForJuWissenschaft zugänglicher zu gestalten und junge Menschen für die Vielfalt wissenschaftlicher Perspektiven zu begeistern.



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